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Energieaudit nach DIN EN 16247-1

Bereits am 4. Dezember 2012 trat die Europäische Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU, EED) in Kraft.  Danach sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, verschiedene Energieeffizienzaktivitäten bis zum 5. Juni 2014 in ihre nationale Gesetzgebung zu überführen. Das Ziel: Die Energieeffizienz soll bis zum Jahr 2020 um 20% gesteigert werden.

Das Bundeskabinett beschloss am 5. November 2014 den Gesetzesentwurf zur Teilumsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie. Dieser wurde daraufhin durch die Änderungen des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) umgesetzt. Das Gesetz hat den Bundesrat am 6. März 2015 passiert, sodass es voraussichtlich im April 2015 in Kraft treten wird.

Die Mitgliedsstaaten müssen gemäß Artikel 8 der Richtlinie sicherstellen, dass Unternehmen, die keine KMU sind, bis zum 5. Dezember 2015 ein Energieaudit nach DIN EN 16247 durchführen, ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einführen. Das Audit muss dann mindestens alle vier Jahre wiederholen werden.

Energieaudit muss verhältnismäßig und repräsentativ sein

Als Mindestkriterien sind eine Energiedatenanalyse (ggf. mit Messungen), eine Prüfung des Energieverbrauchsprofils und eine Ermittlung der wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz und deren detaillierte wirtschaftliche Bewertung vorgesehen. Dabei müssen alle Standorte und Unternehmensteile einbezogen werden. Das Energieaudit muss verhältnismäßig und repräsentativ sein. Dies ist laut des Gesetzentwurfes gegeben, wenn mindestens 90% des gesamten Energieverbrauchs den Anlagen und Geräten des Unternehmens zugeordnet werden können.

Wichtig ist, dass nicht nur Nicht-KMU des produzierenden Gewerbes von der neuen Regelung betroffen sind – diese müssen den Nachweis in der Regel ohnehin schon für den so genannten Spitzenausgleich erbringen –, sondern auch Nicht-KMU des „nicht produzierenden Gewerbes“ wie z. B. Handelsunternehmen, Banken und Versicherungen.

KMU, die sich von der Pflicht befreien lassen möchten, müssen eine Selbsterklärung beim BAFA vorlegen. Um zu bestimmen, ob das Unternehmen den KMU-Kriterien der EU unterliegt, spielen die Mitarbeiterzahl, die Bilanzsumme sowie der Umsatz ein Rolle. Je nach Unternehmenstyp (Partner- oder verbundenes Unternehmen) können sich die genannten Schwellenwerte für die Organisation erhöhen.

Bußgeld für Unternehmen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen

Wird das Energieaudit unternehmensintern absolviert, so muss gewährleistet sein, dass die Person, die das Audit durchführt, nicht unmittelbar an der Tätigkeit beteiligt ist, die dem Energieaudit unterzogen wird. Personen, die diese Voraussetzungen erfüllen, werden in einer öffentlich geführten Liste des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfasst. Ebenfalls wird das BAFA mit der Kontrolle der Nachweisführung betraut. Unternehmen, die bis zum 5. Dezember 2015 kein Energieaudit oder ein Alternativverfahren vorlegen können, handeln ordnungswidrig und müssen mit einem Bußgeld rechnen.

Definition Unternehmen

Nach der neuen Definition gilt als Unternehmen „jede Einheit, unabhängig von ihrer Rechtsform, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt“. Die Formulierung ist nicht neu. Sie entspricht der Terminologie, die der Europäische Gerichtshof in seinen Entscheidungen verwendet. Durch die formelle Verankerung in der Empfehlung ist der Geltungsbereich der neuen KMU-Definition jetzt deutlich umrissen. Demnach können Selbständige, Familienbetriebe, Personengesellschaften und Vereinigungen, die regelmäßig einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen, als Unternehmen angesehen werden. Der bestimmende Faktor ist hier die wirtschaftliche Tätigkeit, nicht die Rechtsform.

Definition KMU

Nach Empfehlung der EU-Kommission handelt es sich bei „Kleinen Unternehmen“ um Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern und bis zu 10 Mio. € Jahresumsatz. „Mittlere Unternehmen“ beschäftigen maximal 250 Mitarbeiter und erzielen einen Jahresumsatz von bis zu 50 Mio. € bzw. eine jährliche Bilanzsumme von bis zu 43 Mio. €. Bestehen Verflechtungen mit anderen Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts, müssen die verflochtenen Unternehmen gemäß der nachfolgenden Erläuterung anteilig bei der Bestimmung des KMU-Status berücksichtigt werden.

Eigenständige Unternehmen

Eigenständige Unternehmen sind mit weniger als 25 % an einem anderen Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts beteiligt. Beziehungsweise: Andere Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts sind mit weniger als 25 % an diesem beteiligt.
 Nur die eigenen Werte für Mitarbeiterzahl/Umsatz/Bilanzsumme dürfen berücksichtigt werden!

Partnerunternehmen

Partnerunternehmen sind mit mehr als 25 % aber höchstens 50 % an einem anderen Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts beteiligt. Beziehungsweise: Andere Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts sind mit mehr als 25 % aber höchstens 50 % an diesem beteiligt.

Zu den eigenen Werten für Mitarbeiterzahl/Umsatz/Bilanzsumme müssen anteilig auch die Werte der Partnerunternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts berücksichtigt werden.

Verbundene Unternehmen

Verbundene Unternehmen sind mit mehr als 50 % an einem anderen Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts beteiligt. Beziehungsweise: Andere Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts sind mit mehr als 50 % an diesem beteiligt.
 Zu den eigenen Werten für Mitarbeiterzahl/Umsatz/Bilanzsumme müssen die vollständigen Werte der verbundenen Unternehmen oder öffentlichen Stellen bzw. Körperschaften öffentlichen Rechts berücksichtigt werden! 

Verfahrensweise bei öffentlichen Stellen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts

Nach der neuen Definition ist ein Unternehmen nicht als KMU anzusehen, wenn mindestens 25% seines Kapitals oder seiner Stimmrechte unmittelbar oder mittelbar von einer oder mehreren öffentlichen Stellen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts einzeln oder gemeinsam kontrolliert werden.
Dies wurde so festgelegt, weil die betreffenden Unternehmen durch eine Beteiligung der öffentlichen Hand bestimmte Vorteile, insbesondere finanzieller Art, gegenüber jenen Unternehmen erlangen könnten, die sich durch privates Beteiligungskapital finanzieren. Außerdem ist es oft nicht möglich, die entsprechenden Personal- und Finanzdaten für öffentliche Stellen bzw. Körperschaften des öffentlichen Rechts zu berechnen.

Die wichtigsten Inhalte eines Energieaudits

Definition/Festlegung

(Orts-)Sichtung 

Datensammlung/Analyse

Dokumentation

Arbeitsschritte Energieaudit

Auftaktgespräch

  1. Wir unterstützen Sie bei der internen Zusammenstellung Ihres Energie-Teams und der Verteilung der Zuständigkeiten. Das Energie-Team setzt sich aus Mitarbeitern/innen Ihres Unternehmens zusammen, die das Energieaudit und später auch die Umsetzung von Maßnahmen begleiten.
  2. Wir stimmen mit Ihnen das weitere Vorgehen ab und legen einen Zeitplan für das Projekt fest.
  3. Wir besprechen und bestimmen die groben Untersuchungsziele. Außerdem stimmen wir uns über die Grenzen und die Tiefe der Analyse ab. 
  4. Sie als Auftraggeber übergeben uns sämtliche für das Energieaudit relevanten Daten.

Datensammlung

  1. Wir untersuchen Ihren Energieeinsatz nach Medien (vergangenheitsbezogen) auf Basis der vorliegenden Dokumentation inklusive Lastgang-Analysen der eingesetzten Energieträger. Wir sagen Ihnen, wo noch Lücken in der Datengrundlage bestehen und welche weiterführenden Daten wir benötigen.
  2. Wir ermitteln Einflussfaktoren auf Ihren Energiebedarf.
  3. Wir ermitteln die Energiekosten sowie weitere – auch nicht-monetäre – Rahmenbedingungen.

Außeneinsatz

  1. Bei einem Ortstermin nehmen wir die Anlagen und Prozesse anhand von Verbrauchsdaten und/oder Anschlussleistungen einschließlich der Betriebszeiten auf.
  2. Wir untersuchen das Nutzerverhalten und die Arbeitsabläufe und beurteilen diese im Hinblick auf die Energieeffizienz. Hierzu brauchen wir verschiedene Vorgaben des Auftraggebers.
  3. Wir erarbeiten ein Messkonzept zur Optimierung der Datengrundlage und stimmen dieses mit Ihnen ab. Die eigentliche Umsetzung, das heißt die Planung und Installation der benötigten Komponenten, ist nicht im Leistungsumfang enthalten und kann gesondert angeboten werden.

Analyse

  1. Basierend auf den zur Verfügung gestellten und selbst erhobenen Daten erstellen wir die erstmalige energetische Bewertung Ihres Unternehmens. Dazu zählt auch die Dokumentation der vorhandenen Energieströme in Form eines Fließdiagramms.
  2. Wir listen Ihre Haupt-Energieverbraucher auf und gewichten diese in Form einer Rangliste.
  3. Wir werten die im Rahmen des Messkonzeptes gewonnenen Erkenntnisse aus.
  4. Wir besprechen die bereits vorliegenden Energiekennzahlen mit Ihnen. Zudem  unterstützen wir Sie dabei, angemessene Kennzahlen und Treibergrößen für die Überwachung und Messung der energiebezogenen Leistung zu ermitteln.
  5. Wir erstellen einen Maßnahmenplan mit ersten Ansätzen, wie sich die energetische Leistung verbessern lässt. Dazu identifizieren und priorisieren wir einzelne Maßnahmen. Nicht im Leistungsumfang enthalten ist die Begleitung bei der Umsetzung der Maßnahmen, die wir Ihnen gerne gesondert anbieten.
  6. Wir identifizieren und entwickeln mögliche Effizienzmaßnahmen einschließlich Wirtschaftlichkeitsanalysen. Im Vorfeld legen wir die Basisdaten der Kalkulation (Zinsfuß, Abschreibungszeitraum und -art, Nutzungsdauer, etc.) sowie die Kostensteigerungsfaktoren (Inflationsrate, Preissteigerung für Gas und Strom etc.) der verbrauchs- und betriebsgebundenen Kosten gemeinsam mit Ihnen fest. Ebenso stellen wir vorab zusammen mögliche Risikoszenarien auf und prüfen potenzielle Förderungen und Zuschüsse.

Bericht

  1. Unser Bericht fasst den Ablauf und die Ergebnisse des Audits zusammen und verdeutlicht den Zeitplan für die regelmäßig wiederkehrenden Energieaudits.
  2. Er enthält weiterhin Empfehlung und Einsparmöglichkeiten und setzt die untersuchten Effizienzmaßnahmen in eine sinnvolle Rangfolge.
  3. Dokumentiert wird neben der Verbrauchsanalyse auch das Messkonzept inklusive der Auflistung aller verwendeten Messinstrumente.